Ergonomie: Fragen und Antworten
Was heißt eigentlich Ergonomie?
Ergonomie: aus gr. ergon (Arbeit, Werk) und nomos (Gesetz, Regel). Ergonomie ist die Wissenschaft von der Gesetzmäßigkeit menschlicher Arbeit. Zentral ist dabei die Verbesserung der Mensch-Maschine-Schnittstelle zwischen Benutzer (= Mensch) und Objekt (= Maschine) in einem Mensch-Maschine-System. Quelle: www.wikipedia.de
Sollte ich zum Neuradkauf mein altes Fahrrad oder ein Foto mitbringen?
Ja, das ist immer hilfreich, denn über die bisherige Sitzposition lassen sich effektivere Ansätze zur Verbesserung finden. Die Sitzhaltung und die Erläuterung Ihres Befindens auf dem Rad ist hier von großer Bedeutung.
Wie sollte ich am besten auf meinem Rad sitzen?
Die Sitzposition sollte dem Einsatzzweck ihres Rades angepasst sein und Ihre aktuelle Konstitution berücksichtigen. Ob eine Sitzposition als komfortabel oder unbequem empfunden wird, darüber entscheidet in hohem Maße die Ausprägung Ihrer Haltemuskulatur. Wie alle Muskeln schwankt die Qualität und Quantität im Laufe des Lebens durch die täglichen Bewegungsmuster. Aus diesem Grund sind dynamische Änderungen des Sitzempfindens und der Haltung auf dem Rad möglich und kein Grund zur Beunruhigung!
Gibt es eine ideale Sitzposition auf dem Touren- und Reiserad?
Ein Ideal nicht, aber einen idealen individuellen Kompromiss! In Anlehnung an ein Zitat von Herrn Prof. Froböse von der Sporthochschule Köln, wird jede noch so ergonomisch ideale Sitzposition auf dem Rad, über viele Stunden eingenommen, zu den ein oder anderen Unpässlichkeiten führen. Aus diesem Grund haben Radprofis Masseure und Physiotherapeuten, die sich nach der Fahrt um die betroffenen Muskeln kümmern.
Da man als Tourenradler i.d.R. nicht über solch ideale Betreuung verfügt, muss die Sitzposition so "entschärft" sein, dass man sie unter nahezu allen Bedingungen als komfortabel empfindet. Dies wird in erster Linie durch einen korrekt eingestellten Sattel und ein schrittweises Einstellen des Lenkers erreicht. Der Lenker sollte für lange Strecken mehrere Griffpositionen gestatten und natürlich... der/die RadpartnerIn sollte idealerweise massieren können.
Darüberhinaus (und gerade bei Soloausfahrten) bewährt sind Dehnungsübungen, die problemlos auf dem Rad oder während einer kurzen Pause (ja!) auf festem Boden durchgeführt werden können.
Wie hoch sollte der Lenker eingestellt sein?
Im Verhältnis zum Sattel so tief, dass Sie die Haltung des Oberkörpers (relativ zum Oberschenkel) noch als angenehm empfinden. Es sollte im eigenen Interesse vermieden werden den Lenker unnötig hoch zu stellen.
Benötige ich eine Federung am Rad?
Bei Bandscheibenschäden (am häufigsten in der unteren Lendenwirbelsäule, seltener in der Halswirbelsäule) sollte zunächst versucht werden, eine schmerzfreie Sitzposition zu finden. Bei akuten Beschwerden kann eine Oberkörperaufrichtung bis hin zu einer Hollandradsitzposition sinnvoll sein, zumindest bis erforderliche Stützmuskulatur durch andere Maßnahmen aufgebaut ist. Bei den sehr aufrechten Sitzhaltungen ist eine Sattelstützfederung oder ein gefederter Hinterbau vorteilhaft, da hier das Hauptgewicht auf dem Sattel ruht, Unebenheiten eher sitzend passiert werden. Auf diese
Weise reduziert die Federung die Stoßenergien, die die Problembereiche belasten können, bzw. Schmerzen verursachen können.
Der Markt ist zur Zeit geprägt von einem Überangebot von mit Federgabel ausgestatteten Fahrrädern, die im Trekkingradbereich der unteren-mittleren Preisklassen mehr Gewicht, als Komfort bedeuten. Eine gute Federgabel sollte vor allem feinfühlig auch auf kleine Unebenheiten ansprechen (deshalb aufs Fahrergewicht einstellbar sein) - große Federwege sind im alltäglichen Straßeneinsatz weniger wichtig als sensibles Ansprechverhalten.
Gut wirksame, gut konstruierte Federungssysteme ermöglichen jedoch längere Fahrleistungen auch auf schlechten Wegstrecken und auch mehr Fahrsicherheit durch besseren Bodenkontakt der Räder. Im Kurz- und Mittelstreckenbereich entscheiden sich unsere vielfahrenden Kunden häufig für Fahrräder ohne Frontfederung, jedoch häufig für eine effektive Sattelstützfederung, besonders bei aufrechter Sitzposition. Darüberhinaus kann eine breitere Bereifung in Verbindung mit weniger Luftdruck gute Effekte hinsichtlich des Fahrkomforts bringen.
Fazit: gute Federung ist teuer, bei begrenztem Budget (Neurad unter 1000,-EUR) besser keine Vollfederung (Federgabel + gefederter Rahmenhinterbau), sondern eine gute, nicht zu hart justierte Federgabel mit einer Federsattelstütze
Wie sollte mein Sattel eingestellt sein?
Ihr Sattel sollte stets waagerecht in der Horizontalen ausgerichtet sein. Die Höhe sollte so eingestellt sein, dass das Knie beim Pedalieren (mit dem Fußballen) nicht ganz gestreckt werden kann!
Es sollte ferner vermieden werden Sättel zu stark zu neigen, da das Becken in eine Vorwärts- oder Rückwärtsbeugung gezwungen wird. Hierdurch wird eine Reihe nachteiliger Vorgänge ausgelöst. Bei Absenkung nach vorne rutscht man mit der Hauptlast auf die schmerzenden Zonen,- bei Schmerzen im Dammbereich kann effektiv nur über die Längeneinstellung (da können Millimeter entscheidend sein) und die passendere Sattelform helfen.
Damen- oder Herrensattel?
Seit Jahren immer wieder Thema - der kleine Unterschied auch hier...allerdings haben wir immer wieder die Erfahrung gemacht, daß die Sitzposition auf dem Rad entscheidender als das Geschlecht für die Auswahl z.B. der Sattelbreite ist. Grundsätzlich benötigt Mann/Frau bei aufrechterer Sitzposition eher eine breitere Sattelform ( kurze Sattelnasen sind hier praktisch zum auf- und absteigen vor allem mit engen Röcken oder langen Mänteln oder Jacken ), bei geneigteren Sitzpositionen sind schmalere Sattelvarianten günstiger, damit man weiter nach hinten rutschen kann. Unabhängig vom Geschlecht gilt es Druckzonen zu entlasten, die nur unterschiedlich benannt werden.
Mein Sattel drückt an den Gesäßhöckern?
Verschwindet in der Regel nach ein paar längeren Fahrten. Gelegentlich Nähte der Unterwäsche Auslöser. Bitte prüfen! Falls Kurzstrecken überwiegen, leicht durch weicheren (Gel)Sattel zu beheben.
Wie schnell merke ich, ob ein Sattel passt?
Normalerweise bereits nach wenigen Minuten "er-fühlt" man die Grundform. Nach ca. 30-60min klären sich alle anderen Passformfragen.
Als besonderen Service nehmen wir bei uns erworbene Sättel auch nach ausführlicher Testfahrt wieder in Zahlung - bitte haben Sie Verständnis dafür,daß wir Ihnen ein Angebot für den Rückkauf machen, was zumindest geringfügig unter dem Erwerbspreis liegt, da sich Montagespuren fast nie vermeiden lassen und wir darüberhinaus die Verwaltung des Umtausches berücksichtigen ( im Regelfall ziehen wir € 3-5 ab ).
Warum haben alle Radprofis so knackige Hinterteile?
Je stärker der Oberkörper nach vorn geneigt wird, d.h. je spitzer der Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkel, desto stärker wird der große Gesäßmuskel vorgedehnt und am Tretvorgang beteiligt. Da dies der größte aller Muskeln des Menschen ist, wird hierdurch die Effizienz erheblich gesteigert, neben den Vorzügen besserer Aerodynamik (wichtig auch bei Gegenwind). Auf längeren Radtouren, die flach+windig oder bergig sind, ist die Sitzposition des abgebildeten Bären recht nachteilig, während sie auf Kurzstrecken sehr angenehm ist. Irgendwo zwischen diesen beiden Extremen liegt die sinnvolle Position für die meisten TourenradlerInnen.
Mir schläft ein oder beide Füße beim Radfahren ein?
Deutet auf eine oder mehrere Ursachen hin:
1. zu weiche Schuhsohlen+zu hartes Treten (zu hoher Pedaldruck)
2. sehr häufig muskuläre Verspannungen im unteren Wirbelsäulenbereich (Kreuzbein)
3. alles was die Medizin unter den Überbegriffen "Lumbalsyndrome" und "Kreuzschmerz" zusammenfasst (sehr vieldeutig). Auch hier haben sich zum Ausschluss von Muskelverspannungen Wärmecreme und/oder leichte Dehnübungen sehr bewährt. Ggf. Abklärung durch einen Orthopäden im eigenen Interesse sinnvoll.
Mir schläft die Hand beim Radfahren ein?
Deutet in vielen Fällen auf Verspannungen im Nacken/Schulterbereich hin. Daneben verlaufen durch den sogenannten Karpaltunnel der Handwurzel mehrere Sehnen, Muskeln und der Nervus medianus, der die Hand/Finger „ansteuert.“ Durch ungünstigen Druck bzw. Schwellungen der Muskeln+Sehnen, kann dieser eingeengt und gereizt werden (mechanisches Engpasssyndrom). Ursache können Fahrradgriffe und Lenker, sowie die Sitzhaltung sein, oder auch fahrradfremder Natur sein. Frauen sind hiervon häufiger betroffen, als Männer.
Schnelle Ausschlussmöglichkeit der Hauptursache: Massage und/oder Wärmecreme auf betroffene Muskeln vor der Radtour. Verschwinden die Beschwerden nicht, ist eine Abklärung durch einen Orthopäden/Chirurgen ratsam neben speziell geformten, entlastenden Griffen und der Korrektur der Sitzhaltung. Eine große Auswahl solcher Griffe haben wir ständig vorrätig!
